Der Originalbericht auf Englisch stammt von Sharada Balasubramanian und erschien am 5. Mai 2017 auf aljazeera.com.

Bauern in Tamil Nadu bekämpfen Dürre mit biologischen Anbaumethoden 

Einige Bauern in Tamil Nadu konnten Dank dem Einsatz traditioneller Nutzpflanzen und Kultivierungspraktiken die schwere Trockenperiode überstehen.

Tamil Nadu, Indien – Der südindische Bundesstaat Tamil Nadu leidet unter der schlimmsten Dürre seit 100 Jahren.

Diese hat zu einer Agrarkrise geführt und es gibt Berichte über Bauern, die aus Verzweiflung Suizid begehen.

In der Küstenstadt Vedaranyam, die gegenüber dem Golf von Bengalen liegt, haben manche Bauern die Dürre jedoch überstanden, und das mit einfachen, jedoch innovativen Methoden.

Die Bauern in dieser für die Landwirtschaft wichtigen Küstenregion im Nagapattinam Distrikt sind zu traditionellen Nutzpflanzen und Anbaumethoden zurückgekehrt, um die Wasserknappheit und die Salzhaltigkeit des Bodens zu bekämpfen.

Der Salzgehalt war gestiegen, weil das Meerwasser in den vergangenen Jahren in den Boden eingedrungen ist.

Das Zentrum für indische Wissenssysteme (The Centre for Indian Knowledge Systems), eine NGO in diesem Bezirk, bietet den Bauern seit mehr als 20 Jahren technische Unterstützung bei der Umstellung von chemischen zu biologischen Anbaumethoden an.

Es stellt dürreresistente, traditionelle Nutzpflanzen bereit, die weniger Wasser verbrauchen, und hilft den Bauern beim Bau von Teichen, die Regenwasser speichern sollen.

Dieses Jahr haben die Bauern, die chemische Düngemittel verwenden, ihre Ernte komplett verloren.

Traditionelle Nutzpflanzen, welche einmal die Agrarlandschaft dominiert haben, verschwanden mit dem Beginn der Grünen Revolution – die Steigerung der Getreideproduktion durch den Einsatz von Hybridsamen und chemischen Düngemitteln in den 1970er Jahren.

Heute kehren Bauern wieder zurück zu traditionellen Nutzpflanzen, wie z. B. Kokosnüsse, Gemüse und Hülsenfrüchte, während die Nachfrage nach solchen Erzeugnissen in Indien steigt.

Die traditionellen Nutzpflanzen haben medizinischen Wert, sind gut geeignet für die lokalen Bodengegebenheiten und können Dürreperioden überleben.

In Vedaranyam, wo Fälle von Bauernselbstmorden bekannt wurden, stiften traditionelle, biologische Anbaumethoden Hoffnung im Kampf gegen Ernteausfälle.

Balakrishnan Marimuthus 1,6 Hektar grosse Farm konnte, verglichen mit der letztjährigen Ernte von 110 Säcken à 60 kg, nicht einmal 10 Prozent des Reisertrags abwerfen. Um seine Ernteverluste aufgrund des Regenmangels auszugleichen und die Bodenqualität seiner Felder zu verbessern, säte Balakrishnan Mungbohnen. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Balakrishnan hat zwei Teiche angelegt. Unerwarteter Weise regnete es im Februar für zwei Tage, sodass sich die Teiche und ein Brunnen füllten. Das Regenwasser, das sich in den Teichen sammelt, erlaubt es ihm, mit dem Anbau von Kokosnusspalmen zu experimentieren. Die Regenfälle sind nicht mehr vorhersagbar und Bauern glauben, dass Teiche die Lösung zur Behebung der fehlenden Wassersicherheit in der Zukunft sein könnten. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Ganesan Manikka Gounder, ein weiterer Bauer aus demselben Dorf, verlor dieses Jahr seine Reisernte komplett. Allerdings hatte er auch eine traditionelle, dürreresistente Sorte namens Mappillai Samba gesät, und das mit grossem Erfolg. Dieser Reis, der auch unter dem Namen Bräutigam Reis bekannt ist, verlor im Verlauf der Grünen Revolution seine Bedeutung. Damit sie um die Hand eines Mädchens anhalten dürfen, mussten Männer in der Vergangenheit einen schweren Stein (lokal auch illavata kal bekannt) anheben. Sie wurden sechs Monate lang mit Mappillai Samba gespeist, damit sie den schweren Stein anheben konnten. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Das Getreide wächst bis zu einer Höhe von 2,3 m und benötigt nur wenig Pflege. Ganesan sagt: „Mappillai Samba hat medizinische Nutzen und erzielt einen höheren Preis. Der Ertrag von traditionellen Sorten ist zwar vielleicht nicht so hoch wie bei modernen Reissorten, die Bauern müssen allerdings auch nicht so viel in die Arbeit investieren.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Nachdem die Ernte auf seinem 2,4 Hektar grossen Feld ausfiel, wechselte Jayapal Kaliyaperumal zu Gemüse und Mungbohnen. Er baute auch Düngepflanzen wie Kavalai an, um den Boden zu stärken. Er sagt: „Es ist wichtig, Düngepflanzen anzubauen und den Boden für sechs Monate ruhen zu lassen, damit er sich regenerieren kann. Momentan praktizieren Bauern Fruchtwechsel ohne Unterbruch, was den Boden daran hindert, sich zu regenerieren.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Balasubramaniam Palanisamy, ein Biobauer aus Chettipayalam, sagt: „Ich bin vor 15 Jahren zum biologischen Anbau übergewechselt, was die Bodenqualität auf eine Weise verbessert hat, so dass er nun in der Lage ist, Dürren zu überstehen. Mit leichten Regenschauern in der Mitte reichte das Wasser aus, um das traditionelle, dürre- und salzresistente Getreide Kaivara Samba Reis anzubauen. Die Biobauern dieser Region haben in diesem Jahr die Dürre überstanden.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Venugopal Sundarraj aus Kathripuram baut nur traditionelle Sorten an, und dies biologisch. Dieses Jahr hat er drei indigene Sorten angebaut. Alle drei haben ihm eine gute Ernte von fünf Tonnen pro Hektar beschert. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Karun Kuravai, ein traditionelles Getreide, kann sich Dürren und erhöhtem Bodensalzgehalt widersetzen. Es bescherte Venugopal dieses Jahr eine gute Ernte. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Dank der Farmteiche haben sich die Wasserspiegel in Alangadu erhöht. Solche Teiche stellen eine potentielle Wasserquelle für Rinder dar, und sind für den Gemüseanbau essentiell. Der Bauer R. Thilakar sagt: „Farmteiche sind ein Muss auf jeder Farm. Sie können Regenwasser speichern und ermöglichen den Leuten, Aquakultur zu praktizieren, um ihre Einkommen zu erhöhen.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian]

Raja Ramu war einer unter den Bauern aus Alangadu, die dieses Jahr mit vollständigen Reisernteausfällen konfrontiert waren. Nachdem er die Bodenqualität analysiert hatte, säte er hier Baumwolle. Er sagt: „Baumwolle kann trotz leicht salzigem Wasser wachsen. Viele Bauern in diesem Dorf folgen diesem Beispiel und bauen daher Baumwolle an.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Rajaraman Narayanasamy, ein traditioneller Bauer aus Thandankulam, das in der Nähe des Meers gelegen ist, war der Einzige, der dieses Jahr Landwirtschaft betrieb. Das Grundwasser seine Farm, die nur nur einen Kilometer vom Ozean entfernt liegt, ist salzig. Rajaraman baute auf der Hälfte seines Feldes Reis an und auf dem Rest Gemüse wie Brinjal, Flaschenkürbis, Okra, Spinat, Tomaten und Chili. Er sagt: „Ich liefere Gemüse mit meinem Fahrrad aus und verdiene 20.000 Rupien ($311). In diesem Jahr habe ich Reis im Wert von 45.000 Rupien ($701) erzeugt.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Die Schwimmpflanze Azolla wächst auf dem Wasser. Sie wurde von Rajaraman in Thandavankulam angebaut. Er züchtet in seinem Hofteich einheimische Fische, um sein Einkommen zu ergänzen. Er sagt: „Die Futterknappheit ist zurzeit riesig. Wenn den Kühen Azolla verfüttert wird, geben diese dadurch einen halben Liter mehr Milch. Das wird außerdem die Salzhaltigkeit in meinem Farmteich reduzieren.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

„Einfache Lösungen, wie kleine Geröllsperren und Farmteiche, können Bauern beim Gemüseanbau helfen. Die Regierung gibt Millionen für den ländlichen Employment Guarantee Scheme aus. Wenn das Anlegen von Farmteichen unter Mithilfe der lokalen Bauern genutzt werden könnte, dann bringt dies Vorteile,“ sagt R. Thilakar, ein Bauer aus Nemmilli. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Balasubramaniam, ein Biobauer, litt dieses Jahr nicht unter Ernteverlusten. Er erntete drei Tonnen Reis auf seinem 0,8 Hektar grossen Land. Er sagt: „Ich habe rechtzeitig Unkraut entfernt und regelmäßig biologischen Dünger angewendet.“ [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

Er befürwortet biologische Anbaumethoden zur Bewältigung von Dürreperioden. „Unabhängig davon, ob man traditionelle oder moderne Sorten anbaut, müssen biologische Methoden übernommen werden, weil sie weniger Wasser verbrauchen,“ sagt Balasubramaniam. Er fügt hinzu, dass hier Perlhirse angebaut werden kann, vor allem unter der Voraussetzung, dass es weniger Wasser gibt. Früher haben Bauern diese Sorte angebaut, doch sie gaben das Getreide im Laufe der Zeit auf. [Text- und Bilquelle: Sharada Balasubramanian/Al Jazeera]

By | 2017-09-22T14:03:09+00:00 Juni 13th, 2017|Front Page, Uncategorized|0 Comments

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